Hotel Teil 1 – Hotelauswahl

Hotelauswahl

Ein Hotel buchen und den Urlaub geniessen. Schön wäre es, wenn es so einfach zu buchen wäre. Als Fussgänger habe ich dies oft gemacht, ohne mich gross vorab zu informieren. Vielleicht mal sehen, ob es einen Pool gibt und ob das Hotel direkt an einer grossen Strasse liegt. Halbpension oder all inclusive, das waren eher meine Themen. Den Urlaub geniessen und viel draussen sein, denn das Hotel ist meist nur noch zum Schlafen und Umziehen da.

Das war zu meinen Zeiten als Fussgänger, jetzt mit Rollstuhl und Petra haben wir deutlich mehr Anforderungen, die wir vom Hotel erwarten. Wir müssen daher zum Beispiel vorab abklären, ob die Türen breit genug für den Rollstuhl sind, ob es Treppen oder doch einen Fahrstuhl gibt. Ob es grosse Tische im Speisesaal gibt, oder ob dort nur die Bistrotischen vorhanden sind. Ich werde jetzt mal von unseren vielen Erfahrungen bei der Vorabklärung und auch von unseren Erlebnissen vor Ort berichten.

Wichtig:
Glauben Sie nicht unbedingt einem Prospekt oder einer Hotel-Internetseite, denn dort wird vom Hotel immer nur die schönsten Seiten gezeigt. Ein Behindertengerechtes Zimmer habe ich dort noch nicht gesehen.

Leider werden die Bilder dort oft aus besonderen Perspektiven gezeigt oder auch das Verändern der Fotos mit “ Photoshop“ lässt grüssen. Also schauen Sie sich auch mal die Reiseportale von    www.tripadvisor.de  oder www.holidaycheck.ch an. Dort können Sie von Urlaubern gemachte Bilder und Berichte sehen, die im Hotel waren und von ihren Erfahrungen berichten. Sie können dann auch mal in Google-Earth nachsehen, wo das Hotel liegt und ob der Pool tatsächlich so gross wie angegeben ist. So konnten wir schon mal vorab sehen, dass auf dem Weg zum ausgesuchten Hotel zum Strand eine grosse Hauptstrasse lag und hatten uns dann doch lieber für ein anderes Hotel entschieden. Oder wie dicht die weiteren Hotels neben dem Wunschhotel sind. Wer will schon, wie in einer Großstadt, vom Pool auf die höchsten Häuser der Insel schauen? Wenn Sie ein passendes Hotel ausgesucht haben, dann schauen Sie sich die Internetseite genau an, ob im Hotel behindertengerechte Zimmer angeboten werden.

Als Rollifahrer wissen Sie, auf was sie alles achten sollten und wie Sie selbst Ihre Wohnung/Haus umbauen mussten, als Sie im Rollstuhl nach dem Unfall nach Hause kamen. Diese Barrierefreiheit brauchen Sie natürlich auch im Urlaub und daher sollten Sie unbedingt wissen, ob das Hotel Ihre Anforderungen erfüllt. Jeder Urlaub wird zur Tortur, wenn Sie z. B. mit dem Rollstuhl nicht ins Zimmer kommen oder wenn Treppen Sie am Fahren in den Speisesaal behindern. Eine Abklärung vorab kann Ihren Urlaub zu einem ganz tollen Erlebnis werden lassen. Geniessen Sie Ihren Urlaub, denn Sie haben eine wunderschöne Zeit schliesslich verdient.
Abklärung vor der Reise

Gibt es behindertengerechte Zimmer?
– Oder bei Bedarf: gibt es auch rollstuhlgerechte Zimmer?
– Wird das Hotel als rollstuhlgerecht ausgewiesen?
– Kann man ohne Treppen ins Restaurant kommen?
– Gibt es ausreichende Lifte?
– Wie breit sind die Türen und komme ich mit meinem Rollstuhl durch?
– Was ist mit dem Badezimmer?
– Komme ich mit dem Rollstuhl ins Bad und gibt es eine ebenerdige Dusche?
– Was ist mit der Toilette? Mit Rollstuhl überfahrbar? Feste Handgriffe?
– Kann ich mit dem Rollstuhl unter das Waschbecken fahren?

Behindertengerecht ist noch lang nicht Rollstuhl gerecht!

Anforderungen:
Wir haben unsere Anforderungen durch unsere Reisen genau ermittelt. Dadurch, dass ich als Krankenpfleger viel für Petra machen kann, sind unsere Anforderungen an das Hotelzimmer deutlich geringer, als wenn Petra alleine verreisen würde. Uns reicht meist eine ebenerdige Dusche und breite Türen. Wenn Sie verreisen, dann sollten Sie sich mal Gedanken machen, welche Anforderungen für Sie wichtig sind. Vielleicht reicht Ihnen dann das umgebaute Zimmer aus und sie brauchen nicht unbedingt ein Rollstuhl-Zimmer. Bedenken Sie aber unbedingt, dass ein Hotel schnell mal ein Zimmer als Rollstuhlgerecht ausweist. Auch wenn vor Ort keiner über Erfahrungen verfügt.

Wir sind seit 2008 oft auf Teneriffa gewesen und waren mit dem Sheraton in La Caleta sehr zufrieden. Wir haben uns schnell zurechtgefunden und konnten dort unseren Urlaub geniessen. Es gibt nur wenig, was verbessert werden könnte, aber ansonsten reicht uns das Behindertengerechte Zimmer.

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WARUM WERDEN WIR BEWUSST BEHINDERT ?

Hier mal ein Beispiel, wie man als Reisender mit Behinderung, “behindert” wird:

Uns wurde ein gutes 5 Sterne Hotel in der Türkei mit vielen Behindertenzimmer empfohlen. Als wir dort eine Zusage für ein entsprechendes Zimmer haben wollten, gab man uns folgende Antwort:

“Leider können wir Ihnen im Voraus kein behindertengerechtes Zimmer zusichern.”

Ganz nach dem Motto, bleiben Sie lieber als Behinderter zu Hause! Wieder einmal wurden wir „behindert“.

Bedenken Sie, wir können nur Reisen, wenn uns schriftlich ein entsprechendes Zimmer vorab zugesichert wurde.

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Schlechtes Beispiel eines Hotels auf Teneriffa:

Als wir uns mal ein anderes Hotel vor Ort angesehen haben, es liegt gegenüber, hatten wir uns ein Behindertengerechtes Zimmer von diesem Hotel mal zeigen lassen. Wir konnten uns das Zimmer ansehen und waren sehr verwundert, was dort als Behindertenzimmer angeboten wurde. Hier ein paar Eindrücke:

  1. Hoteleingang: Hier waren wir zuerst sehr positiv überrascht, alles war gut mit dem Rollstuhl erreichbar und wir wurden schnell angesprochen und freundlich betreut.
  2. Dann fuhren wir mit einem kleinen Fahrstuhl 6 Stockwerke tiefer, denn der Eingang ist praktisch auf einem Berg. Die Fahrstühle waren sehr eng, aber es gab 6 Stück.
  3. Zimmertür: Gerade mal durchgekommen, da wir einen Rollstuhl mit Sturz hatten. Einen breiteren (wie unseren 43 cm Sitz breiten Rollstuhl) sollten Sie nicht haben, sonst passen Sie nicht durch diese Tür.

    Türbreite knapp

    Türbreite ist zu knapp

  4. Das Zimmer war gross genug, aber auch hier gab es nur Schränke mit Türen die nach aussen aufgehen. Warum können die Hotels keine Schränke mit Schiebetüren kaufen?
  5. Wir hatten die Balkontür aufgemacht und wunderten uns über den plötzlichen Lärm. Das Zimmer liegt direkt neben dem Ausgang zum Pool, den alle Hotelgäste nehmen. So haben Sie bestimmt von morgens bis in die Nacht interessante Gespräche die sie bis ins Zimmer hören. Da Sie mit Rollstuhl reisen, müssen sie im Erdgeschoss meist die Balkontür schliessen, damit Sie keinen ungebetenen Besuch bekommen. Sie können ja schlecht mal eben aufstehen und nachsehen, wenn Sie Geräusche hören.

    Balkontür neben Hauptausgang zum Garten

    Balkontür neben Hauptausgang zum Garten

  6. Das Badezimmer war der Hammer für Rollstuhlfahrer. Zuerst fiel mir die hohe Badewanne auf, dann der lose Handgriff neben der Toilette. Hoffentlich muss sich kein Gast daran stützen, denn dann liegt er gleich neben der Keramikschüssel. Wenn Sie nicht gerade ein Kind sind, dann werden Sie mit ihrem Rollstuhl nicht unters Waschbecken kommen, denn die Becken sind viel zu tief.

Von aussen sieht das Hotel aber sonst wirklich super aus, nun ja, vielleicht für Fußgänger:

Von aussen ein tolles Hotel

Von aussen ein tolles Hotel

Lesen Sie auch meine nächsten Berichte über die Hotelzimmer für Ihren Urlaub mit Rollstuhl:

Teil 2 finden Sie hier:

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