Schmerzen

Nicht immer…

Nicht immer geht es Rollstuhlfahrern gut und es klappt alles,wie erwartet. Ich möchte hier auch mal von unseren schlechten Tagen und Nächten schreiben.

Reisen macht viel Spass und das Erlebte wird in der Erinnerung besonders schön bleiben. Die interessantesten Momente halten wir ja auch immer mit Foto und Video abrufbereit und geniessen auch Jahre später diese Momente des Glücks und schwelgen in Erinnerungen. Es gibt aber auch Momente, an die möchten wir lieber nicht zurückdenken. Denn auch im Urlaub haben wir Tage und Nächte, wo es uns nicht so gut geht. Vor allem Petra hatte im letzten Urlaub so gewaltige Schmerzen, dass sie am liebsten nach Hause wollte. Ich möchte hier nicht bis ins kleinste Detail gehen, aber auch mal auf mögliche negative Erlebnisse hinweisen.

Wenn wir beim Reisen mit Rollstuhl oft die Möglichkeiten haben, etwas Neues zu erleben, uns ablenken und wunderschöne Dinge erleben, denken wir fast nie an Negatives. Aber der Querschnitt, die Krankheit und auch mal nur Unwohlsein, können die schönsten Momente „vermiesen“. Allein die Tatsache, dass wir in unserem Urlaub 2014 auf Teneriffa nicht einmal in den 3 Wochen den Loro Parque aufgesucht haben, sollte zu denken geben.

Das Wetter war meist besonders schön, die Sonne warm genug, das wir jeden Tag Zeit an der Promenade verbringen konnten, Tischtennis spielten und viele Fotos machten. Also wie immer auf den Kanaren. Das der Wind und die Wellen besonders heftig waren, kommt ja auch immer wieder mal vor.

Ich möchte aber auch von den leider, viel zu vielen Tagen und Nächten schreiben, in denen es Petra durch Schmerzen besonders schlecht ging. Das kennen wir sicher alle, dass wenn es uns schlecht geht, dann mögen wir auch nichts erleben. Wir ziehen uns am liebsten zurück und hoffen auf endlich weniger Schmerzen. Dann verbringen wir diese Zeiten meist besonders ruhig und bleiben im oder am Hotel.

Schmerzen durch Unterlage:

BettauflageEine kleine Ursache war zum Beispiel, die Unterlage für
das Bett. Eine Stoffunterlage, wie sie oft auch im Spital
genutzt wird. Wasserundurchlässig soll sie die Matratze
vor Feuchtigkeit schützen. Wir hatten diese einfach als
Schutz ins Bett gelegt. Woran ich aber nicht gedacht hatte, dass diese Matte die Kälte speichert und besonders bei Menschen mit Querschnitt gefährlich werden kann:

ACHTUNG: Dekubitusgefahr (Druckgeschwür).

Auch wenn ich beruflich im Spital solche Unterlagen in fast jedes Bett im Krankenhaus lege, so sind dies aber Patienten, die  alles spüren und sich dann auch oft im Bett drehen und bewegen. Sie spüren schnell, wenn die Unterlage mal nass ist oder kalt. Sie melden sich dann und ich kann die Unterlage auswechseln oder auch weg nehmen. Ein Querschnittspatient allerdings spürt sich ja nicht mehr und liegt dann oft stundenlang auf der gleichen Stelle. Die Feuchtigkeit sammelt sich und kann nicht weg. Das wiederum führt zum Auskühlen und kann dann auch zu erheblichen Schmerzen führen. Hätten Sie das gewusst?

Auch weitere Schmerzschübe haben unseren Urlaub immer wieder negativ begleitet. Allerdings wurden wir jeden Tag durch die Wärme und die wunderschöne Aussicht auf das Meer und die Berge abgelenkt. Dennoch war Petra damals froh, als wir endlich nach Hause geflogen sind. Petra sind 2 Wochen bis 16 Tage das Maximum für unsere Reisen. Viel kürzer reisen ist bei all den Vorbereitungen für mich schwieriger. Ich brauche ein paar Tage bis auch ich endlich Erholung finden kann. Für mich bedeutet Urlaub nicht nur eine tolle Zeit mit Petra zu verbringen, ich versorge sie auch im Urlaub. Ich werde mit Petra mal einen weiteren Blog schreiben, was pflegen im Urlaub teilweise sehr schwierig macht (Sprache, fehlende Medikamente, kein Hausarzt in der Nähe und vieles mehr).

Sich nicht spüren:
Als ich diesen Bericht geschrieben habe, konnte ich heute Morgen gleich ein neues Foto machen.
Was sehen Sie hier?
FB_1

Schreiben Sie Bitte die Lösung auf einen Zettel und vergleichen Sie Ihre Antwort mit dem Foto ganz unten:
Petra war eingeschlafen und dieses Teil lag unter ihr. Sie konnte durch ihren Querschnitt dies nicht spüren. Ich bin froh, dass es keine Schere (leider auch schon vor gekommen!) oder etwas anderes Gefährliches war. Sie als Fussgänger spüren selbst kleinste Krümel im Bett, Sie spüren sogar wenn Sie auf einem Blatt Papier liegen oder gar etwas gröberes. Wie oft habe ich Krümel aus Petras Bettlaken entfernt….

Diese Gefahren kann sich ein Fussgänger nicht vorstellen, wenn er es nicht selbst erlebt hat. Ein Grund mehr für mich, besonders auf diese Gefahren ein Auge zu werfen. Ich ziehe deshalb immer Petras Hosen glatt, sehe nach den Schuhen und vieles mehr. Auch wenn ich nicht immer alles von aussen erkennen kann, so versuche ich aber möglichst jede Gefahr für Petra zu verhindern. Vor allem in dem Bereichen, die Petra nicht sehen oder spüren kann. Dennoch passieren immer wieder kleine „Unfälle“.

Schlechte Matratze:

Ähnlich ging es uns vor einiger Zeit auf Mallorca. Damals hatten wir durch eine viel zu weiche Matratze unerträgliche Schmerzen. Petra war dann am Morgen so „erschlagen“ dass wir am Tage kaum etwas unternehmen konnten. Petra hatte sich dann am Tage auf der besseren Liege, mit dicker 2 x 2 m Matratze, am Pool ausruhen können. Einen Austausch der Matratze für das Bett konnte das Hotel nicht machen, weil alle Zimmer ausgebucht waren. Diese Ausrede habe ich mir gemerkt, so dass wir in dieses Hotel kein weiteres Mal fahren werden. Schade eigentlich, weil dort sonst alles stimmt für uns.

Mallorca-Zimmer

Ein tolles Bett, doch die Matratze war viel zu weich (durch gelegen)

Eine sehr gute Liege im Garten

Eine sehr gute Liege im Garten

 

 

 

 

 

 

.                                                                                     .

Wir waren damals 2 Wochen auf Mallorca, doch durch die schlechte Matratze waren wir in der 2. Woche fast nur am Hotel um uns am Tage von den Nächten zu erholen.

Betreuung auch im Urlaub
Bei den Beschreibungen unserer Reisen berichte ich gerne von unseren Erlebnissen. Dass ich aber auch im Urlaub die Betreuung und Pflege von Petra übernehme, erwähne ich nicht. Es ist für mich selbstverständlich und ich mache es gern. Ich sage auch immer und das ist nicht ironisch gemeint, bei Petra kann ich mein „Helfersyndrom“  ausleben. Ich bin aber auch froh, dass ich ein diplomierte Krankenpfleger bin, oder wie es in der Schweiz heisst, ein Pflegefachmann.

Wenn Sie keine Hilfe haben, dann versuchen Sie doch mal, ob Sie eine Pflegekraft  oder andere Person über eine REHA Einrichtung vermittelt bekommen. Vielleicht gibt es auch jemanden, der Ihnen hilft und dabei eine Reise zusammen mit Ihnen machen kann. Oder so gibt es auf Teneriffa ein Hotel, wo Sie Hilfe buchen können. Es gibt aber auch Hilfsangebote zum Beispiel von Nottwil im Paraplegiker-Zentrum. Versuchen Sie es und wenn es klappt können Sie endlich mal Ihren Urlaubswunsch erfüllen.

Ich könnte sicherlich noch vieles über dieses Thema schreiben, aber ich möchte hier nur einen Anstoss zum Nachdenken geben. Ich möchte dem Leser auch mal zeigen, dass es Reisende im Rollstuhl oft schlechter geht, dass sie oft viel mehr Schmerzen und Einschränkungen haben, als sich ein Fussgänger denken kann. Reisen im Rollstuhl ist aber immer auch eine Belohnung für die vielen unerträglichen Zeiten, die ein Rollstuhlfahrer haben kann. Sicher gibt es keinen Rollstuhlfahrer, dem es genau gleich geht. Alle sind Individualisten, oder besser gesagt, keiner ist mit dem anderen direkt vergleichbar. Aber alle haben Einschränkungen und das 24 Stunden am Tag und 365-366 Tage im Jahr.

Bleiben Sie liebe Rollstuhlfahrer aber dran, denn Reisen mit Rollstuhl ist und bleibt ein wunderschönes Erlebnis. Egal ob es Stunden, Tage oder gar Wochen sind. Fahren Sie mal weg und geniessen sie die Zeit ausserhalb Ihrer gewohnten vier Wände, es lohnt sich…

 Strand008

Sardinien20090914_meer3 Sardinien_wirReisen im Rollstuhl

 

Frank

 

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