Schwimmen mit Querschnitt

Petra hatte mir gezeigt, dass es für Rollstuhlfahrer/innen mit Querschnitt nicht einfach ist, ins Wasser zu kommen. Egal ob sie in einem Pool, im Meer oder See schwimmen möchten. Als Fussgänger hatte ich mir nie richtig Gedanken darüber gemacht. Für mich war es immer ganz einfach: Badehose anziehen und ab ins Wasser.

Die vielen Vorbereitungen für einen Querschnittsgelähmten hatten mich überrascht. Obwohl ich als Pflegefachmann über den Querschnitt informiert war, habe ich in den letzten 8 Jahren sehr viel durch Petra gelernt. Wir haben so gemeinsam einen Weg gefunden, dass Petra auch im Urlaub Spass im Wasser haben kann.

Ich hatte je bereits einen Beitrag über Strand und Meer gemacht, aber heute möchte ich mal mehr auf die Vorbereitungen vor dem Schwimmen eingehen.

  1. Kälte

    Wer seine Körpertemperatur nicht mit viel Bewegung erhöhen kann, sollte im kalten Wasser lieber einen Neoprenanzug tragen. Wir haben für unsere Reisen in den Süden sehr dünne und kurze Shortys gekauft. Das Neopren ist nicht so dick und steif, so lässt sich der Anzug mit wenig Kraft anziehen. Bitte kaufen Sie ihn lieber eine Nummer Grösser, dann ist das Anziehen noch einfacher.

    Achtung: ein kompletter Anzug hält wärmer, hat aber den gewaltigen Nachteil, das der Anzug so viel Auftrieb gibt, das Petra nur auf der Wasseroberfläche lag. Schwimmen war da nicht möglich. Mit Gewichten wollten wir dann doch lieber nicht arbeiten. Teneriffa_20130108_ 10177

    Frank am Strand

    Mit dem Shorty konnte ich sogar ins Meer, brrrrr war das kalt

    Leider kühlt Petra so stark im Wasser aus, das wir das Schwimmen im Pool auf Teneriffa nicht mehr machen. Die Temperaturen von unter 27° C sind für Petra schmerzhaft. Sie kühlt so stark aus, dass sie mit
    Krämpfen und Schmerzen das Schwimmen aufgeben musste. Auch wenn sie danach immer sehr lange heiss geduscht hatte.

    Ach ist das herrlich...

    Ach ist das herrlich…

     

  2. Neopren Schuhe

    Petra hatte für ihre Füsse auch Neopren Schuhe erhalten, damit sie sich nicht auf dem Boden des Pools oder beim Fahren zum/vom Pool verletzt. Ihre Beine sind so lang, dass sie leicht den Boden im Pool bei gestreckten Beinen erreichte. Ausserdem sollte auch hier das Neopren vor Kälte schützen.

    Neopren

    Neopren: Anzug, Handschuhe und Schuhe

    Achtung: die kleinen Neopren Schuhe sind sehr nützlich gegen Kälte und als Schutz, aber sie geben den Füssen einen Auftrieb und so musste Petra immer sich dagegen lehnen. Also entscheiden Sie selbst, was sie brauchen.

  3. Auftrieb

    Petra war schon im ersten Urlaub mit mir 2008 in den Pool gegangen und dort hatte sie oft Probleme mit dem Wasser. Sie musste mit den Armen so stark rudern, dass sie sich etwas über der Wasserfläche drücken konnte. Sie hat auch bedingt durch die Tetraplegie Schluck Probleme und kann eindringendes Wasser nicht aufhalten. Bei einer Panik könnte sie sogar ertrinken. Also suchten wir eine bessere Lösung und als ich die Schwimmweste beim Discounter sah, hatten wir die Möglichkeit gefunden. Petra ist mit der Weste deutlich über der Wasserlinie. Ausserdem kann Petra mit der Weste sich einfach im Wasser treiben lassen und kann sich erholen.sardinien 1Im September auf Sardinien war das Wasser im Pool EISKALT Im Meer dagegen konnten wir die warme Strömung geniessen

    Sardinien20090914_meer3

    Sardinien 2009 hatten wir die Weste dabei und Petra konnte seit Jahren endlich mal wieder im Meer baden

    Sardinien_wir

    Wir haben unseren ersten Sardinien Urlaub sehr genossen

    Sardinien_Strand

    … hier die Schleifspur vom Strand bis zur Liege

    2008 noch ohne Schutz ins Meer
    Ich hatte damals Petra ins Meer getragen und wir hatten viel Spass. Als ich aber Petra danach an den Strand tragen wollte, hat mich die Strömung zurück gezogen und die Wellen hatten mich zum Land gedrückt. Nur mit letzter Kraft war ich am Strand auf die Knie gegangen und musste mich erst erholen, bevor ich Petra auf der roten Plane zum Liegestuhl ziehen konnte.

    _________________

  4. Mallorca mit warmen Wasser

    Mallorca mit warmen Wasser

    Nachteil: Die Sicherheit ist mit der Weste deutlich höher, nur ist die Schulter sehr weit aus dem Wasser und so wird das Schwimmen etwas anstrengender. Dennoch möchte Petra auf die Weste nicht mehr verzichten.

  5. Antrieb:

    Damit Petra mehr Kraft im Wasser hat, hat sie auch die Schwimm-Handschuhe immer an. So kann sie sich besser im Wasser bewegen, mit weniger Kraft.
    Neopren2

  6. Ins Wasser:

    Entweder mit dem Duschrollstuhl über eine Rampe in den Pool, bei dem Sitzstuhl wird mit Wasserdruck der Stuhl ins Wasser abgesenkt. Schon gleitet Petra alleine ins Wasser.

    Hier ein kleiner Film über unsere Erfahrungen beim Schwimmen mit Querschnitt:
    Teilweise haben wir mit Zeitraffer den Film schneller gespult. Am Anfang ist Petra nicht in den Pool gelaufen, sondern ich hatte die Kamera auf dem Kopf beim Laufen.

  7. Schutz für die Füsse:

    In den ersten Jahren hatten wir den Duschrollstuhl meist ohne Fusstützen mitgenommen und mit einem grossen Handtuch Petra Beine erhöht. Das war aber viel zu unsicher, also hatten wir danach lieber die Stützen mitgenommen.

    Mallorca _

    Die Beine baumeln in der Luft: VORSICHT Verletzungsgefahr

    Mallorca20110613_6182_

    Mit den Stützen war Petra deutlich sicherer und die Fahrt zum Pool ungefährlicher

     

  8. Der Sicherheitsgurt als Gefahrenstelle?

    gurt

    Der Gurt zwischen den Beinen zerrt ganz schön

    Petra hat mit der West einen starken Auftrieb und ist somit über der Wasseroberfläche. Die Weste drückt mit Kraft nach oben und so muss ein Band zwischen den Beinen den Auftrieb bremsen. Sonst würde die Weste über den Kopf gedrückt werden und das wäre mehr wie hinderlich. Leider ist der Gurt ziemlich hart und drückt im Genital. Wir haben daher eine Schaumstofflage dazwischen gebunden.

    Geniessen Sie das Schwimmen, solange es geht. Es gibt ihnen ein bisschen Freiheit und durch den Auftrieb vielleicht auch mal eine andere Position des Körpers. Petra steht ja gern im Wasser, denn ihre Beine hängen dann einfach in die Tiefe.Aber bedenken Sie ihre Anforderungen und nehmen Sie Hilfe mit oder/und auch vor Ort an.

    Bleiben Sie neugierig und viel Spass bei ihren nächsten Reisen mit Rollstuhl

    Frank

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